
«Ich bin ein obdachloser Selfmade-Multi-Tausendär», sagt Kostja*. Sein Markenzeichen: Die schweren Säcke, die er mit sich herumschleppt. So, wie viele Obdachlose es tun. Darin sind Dinge, die er braucht, aber auch Dinge ohne offensichtlichen Nutzen. Denn Kostja hat das Messie-Syndrom und hortet alles Mögliche. Schwerer als die Last, die er wortwörtlich auf seinen Schultern trägt, wiege die Belastung seiner psychischen Krankheit.





Mitleid will Kostja nicht: Er sei frei und zuhause, wo ihn der Zug hinfährt. Der 49-Jährige sammelt täglich auf, was andere liegen lassen und holt sich das dazugehörige Depot. So erspare er sich jährlich tausende Franken für ein 1. Klasse-GA: «Ich bin ein erfolgreicher Glückssucher!»





Journalistisch habe ich mich immer wieder mit der Obdachlosigkeit auseinandergesetzt. Auch bei meiner MAZ-Diplomarbeit (Radiojournalismus) vor über 15 Jahren waren Obdachlose die Protagonist:innen meines Hörstücks. Das vermeintliche Selbstverschulden der Obdachlosigkeit und die vermeintliche Randständigkeit sind nur zwei Aspekte, die mich interessieren.






Bei dieser Arbeit hat mich in erster Linie interessiert, was bleibt, wenn man alles verloren hat. Kostja kennenlernen zu dürfen, bedeutet für mich, mit meinen eigenen Klischees aufzuräumen: Er besitzt und vermisst Dinge, die ich nicht erwartet habe. Von den unzähligen Objekten, die ich im Laufe eines Dreivierteljahres fotografieren durfte, habe ich für diese Arbeit die Essenz zusammengetragen: Objekte, die für Kostja unverzichtbar sind oder stark für ihn als Person und seine Lebensweise stehen. Im Fokus steht Kostjas individuelle Geschichte, so wie «ganz gewöhnliche» Menschen auch ihre individuellen Geschichten haben.




Damit Kostja seine Geschichte selbst erzählen kann, gibt es zu den Bildern ein Hörstück:
Die Bilder sind 2025 / 2026 im Rahmen meines Studiums der Dokumentarischen Fotografie am MAZ Luzern entstanden und sind Teil meiner Diplomarbeit.
© REENA THELLY, ALLE RECHTE VORBEHALTEN